Zwei Monate Südamerika – Ein Fazit

06.12.2018 Wir haben lange darüber nachgedacht, ob es Sinn macht, schon nach zwei Monaten ein erstes Fazit zu ziehen. Es lohnt sich! Wir haben so viel erlebt in den vergangenen Monaten, dass wir gar nicht so recht wissen, wo wir anfangen sollen zu erzählen.

Begonnen hat das Abenteuer in Uruguay mit dem Verlassen des Schiffs nach 34 Tagen auf See. Die Einreiseformalitäten waren danke Agent schnell erledigt. Das Auto wurde sogar geröntg! Nach 34 Tagen mit 5 Tagen Verspätung wegen unzähliger Defekt des Kahns waren wir endlich frei zu tun und zu lassen, was wir wollten. Let´s go!

Wir sahen uns Montevideo ein wenig an, fuhren dann nach Osten, denn wir wollten vor dem Start nach Süden noch etwas Sonne und Ruhe tanken. Der Weg führte uns an der Küste entlang bis hinauf nach Chuy, der Grenzstadt zu Brasilien. Da in Uruguay die Lebensmittelpreise, vor allem Kaffee nur noch als verrückt zu bezeichnen sind kauften wir auf der Brasilianischen Seite auf Vorrat ein. Dann ging es zurück, etwas mehr im Landesinneren nach Argentinien. Uruguay hat uns sehr gut gefallen, der netten Leute wegen und aufgrund der unglaublichen Stände. Wir fragen uns, warum in Uruguay nicht mehr Touristen aus Europa zu finden sind, denn ein Flug z.B. nach Asien dauert länger und die Strände in Uruguay sind oft einfach leer.

Nach der Überquerung der Grenze zu Argentinien kamen wir in Gualeguaychu an, wo über uns sogar in den Nachrichten im Radio berichtet wurde. Wir lernten Herbert und sein Frau kennen, ein Deutscher, der eine erfolgreiche kleine Brauerei betreibt. Wir fuhren nach Süden, immer mit Zwischenstopps um schließlich in Ushuaia bzw. im Nationalpark Tierra del Fuego das Ende der Ruta 3 und damit das offiziell südlichste Ende der Straße zu erreichen. Ein Meilenstein war geschafft.

Nach Ushuaia machten wir uns wieder auf nach Norden, um bei El Turbio unser Abenteuer auf der legendären Ruta 40 fortzusetzen. Eine der Traumstraßen der Welt und das völlig zu Recht. Die Ruta 40 ist über 5000 km lang und führt am nördlichen Ende zur Grenze nach Bolivien. Dabei durchzieht sie Landschaften wie wir sie uns im Traum nicht vorgestellt hatten. Video gucken auf Youtube ist eines, selbst hier unterwegs zu sein ist eine völlig andere Erfahrung.

Nach 2 Monaten sind wir im Parque Nacional los Alerces und bestaunen von Stellplatz aus einen Gletschersee, die Wälder und aufragend vom See die schneebedeckten Anden.

Es waren aufregende 2 Monate mit einigen Lerneffekten und vielen interessanten und angenehmen Begegnungen. Wir haben das Fahrzeug zwei Mal ausgraben dürfen (eigene Dummheit, aber wir haben gelernt, wo unser Auto fahren kann und wo es einfach nicht mehr geht). Wir haben im Süden, speziell auf Feuerland erfahren, wie der Wind einem Fahrzeug mit so einer Seitenfront zusetzen kann und haben gelernt im Sturm / Orkan zu fahren. Wir haben gelernt, wie sehr ein paar Büsche oder Bäume Windschutz geben können.

Unser Spanisch wird von Tag zu Tag besser, inzwischen sind auch einfache Unterhaltungen möglich und wir verstehen noch viel mehr als wir im Moment sprechen können. Sehr vielversprechend.

Das Wohnmobil macht sich bisher sehr gut, sowohl vom Verbrauch her (in Feuerland mit Wind doppelter Verbrauch) als auch vom Wohnerlebnis. Die Geländegängigkeit lässt natürlich bei so einem Wohnmobil zu wünschen übrig, aber das war ja klar. Die Zusatzluftfederung is Gold wert hier, ohne wären wir in den Städten bei all den hohen Geschwindigkeitsreduzierern (Lobos, Reductores Velocidad, Teer- oder Betonhindernisse in unterschiedlichster Ausprägung, Höhe, Länge) schlichtweg überall hängen geblieben. Auch die „Baches“, Absenkungen in der Fahrbahn, in denen Oberflächenwasser ablaufen kann haben es was die erforderliche Bodenfreiheit anbelangt in sich. Abzweigungen in Wohnstraßen sind immer mit Vorsicht zu genießen. Was uns im Süden an dem Wohnmobil „Premium Carthago“ genervt hat waren der Windzug durch eine Steckdose, die im Eingangsbereich scheinbar ohne Abdeckung nach hinten direkt zu Lüftungsgitter der Kühl- / Gefriereinhat offen ist (Premium ist anders) und der massive Durchzug bei Wind zwischen Kühlschrank, Gefrierschrank und Backofen. Logisch muss hier eine Belüftung vorhanden sein, damit die Wärme abziehen kann, aber dass es dort durchzieht wie Hechtsuppe ist schon schwach. Ansonsten hat sich das Wohnmobil super bewährt und der doppelte Boden hat seine Stärken als Vorratsraum voll ausgespielt.

Wir sind an sich schneller unterwegs als geplant, aber wir wollten dem massiven Wind im Süden entfliehen und haben nun wieder eine Klimazone erreicht, in der sich leben lässt. Alles in Allem hat es sich aber gelohnt bis ans Ende der Straße zu fahren, wir möchten weder das Erlebnis Wetter in Feuerland noch die Eindrück in diesem wundervollen Teil Südamerikas missen.

Die Argentinier sind sehr nette Menschen, flexibel, freundlich, sehr hilfbereit und einfach „Mui tranquillo“, sehr entspannt. Ein großes Lob an diese Nation, ein Land das definitiv Wert ist bereist zu werden.

Unser kleiner Sidetrip nach Chile war was die Unterschiede zwischen den Ländern angeht ebenfalls lehrreich. Super Straßen im Vergleich zu Argentinien (zumindest im Süden), alles geregelt, Parkgebühren in der Innenstadt, hohe Preise (im Süden) und einfach weniger entspannt. Wir haben sogar einen Nationalpark einfach ausgelassen, den Torres del Paine, weil sie dort in keinster Weise auf Wohnmobile eingestellt sind und nur abkassieren wollten. Man bevorzugt dort den zahlungskräftigen Rucksacktouristen mit dem großen Geldbeutel. Für uns hieß das wieder ab nach Argentinien. Witzigerweise konnten wir diese sagenhaft Torres del Paine von der Straße in Argentinien ebenfalls sehen.

Die Anden. Schön zu sehen auf Videos, unheimlich beeindruckend in echt. Wir sind keine Bergfans, aber das hier ist ein Gebrige, das uns einfach fasziniert. Kein Vergleich zu den Alpen, die Winzlinge sind im Vergleich. Wir freuen uns auf die weitere Reise auch über den höchsten befahrbaren Bergpasse der Welt, der im Verlauf der Ruta 40 noch auf uns wartet.

Wir haben verschiedentlich gelesen oder in Videos gesehen, dass Reisende die ausgedehnte Pampa im Süden langweilig fanden. Für uns war es riesen Kino. So spannend, auch wegen der Guanacos (Kamele), der Nandus (ähnlich einem Emu), der unzähligen Raubvögel, Armadillos usw., dass wir nicht einmal das Radio laufen hatten zur Unterhaltung.

Die Strecke war so spannend, dass wir oft einfach vergessen haben zu essen. Es stellte sich kein Hungergefühl ein, so gefesselt waren wir von dem was wir gesehen haben. An der Kleidung sehen wir den angenehmen Nebeneffekt. Wir haben einiges an überflüssigen Pfunden verloren, einfach so. Der Effekt darf sich ruhig noch ein wenig halten!

Einige Teile unserer Ausrüstung haben sich als untauglich erwiesen, so z.B. der tolle chinesische elektrische Wagenheber, der auch schon mal eine Sicherung durchschmoren lässt und die versprochenen 3 Tonnen bei weitem nicht hebt. Auf Teer zu Hause ging er, aber sobald etwas Sand ins Spiel kommt haben wir bemerkt, dass gleich Sand ins Getriebe kommt. Ein schönwetternur aufsauberemuntergrund Wagenheber. Der wird bei Gelegenheit entsorgt. Die von uns mit großen Erwartungen gekaufte Chatsim Karte taugt auch nichts, funktioniert vielleicht auf einem dedizierten Device nur mit WhatsApp, aber nicht auf einem Tablet, auf dem noch andere Apps laufen. Wir haben alles so konfiguriert wir von Chatsim gewünscht, wird trotzdem dauernd gesperrt. Hände weg.

Der Falteimer dagegen hat sich absolut bewährt, ein unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand! Die Dashcam hat sich ebenfalls als sehr wertvolles Equipment bewährt, wir nutzen sie fleißig.

Unser Kuhfänger erregt immer wieder Aufmerksamkeit und hat so manchen in den Städten schon vom Einparken abgehalten. Der Heckträger funktioniert bisher auch bestens und wir sind glücklich, so viele Ersatzreifen in petto zu haben. Das wird sich sicher ändern, wenn der momentane Reifensatz abgefahren ist, aber mehr als ein Ersatzrad werden wir immer haben.

Die Wasserkapazität ist wie schon in Deutschland herausgefunden unser beschränkender Faktor. Die 105 Liter reichen 4 oder 5 Tage mit 2x Duschen am Tag, dann ist Schluss. Wenn wir uns später in entlegenere Gebiete wagen müssen wir die 100 Liter Ersatzkanister immer mitfüllen.

An uns selbst merken wir große Veränderungen in Sachen Entspanntheit. Wir sind ruhiger geworden, kleine Herausforderungen regen uns nicht einmal mehr im Ansatz auf, größere Herausforderungen gehen wir mit Ruhe an. Mui tranquillo. Wir ertragen es mittlerweile auch locker, mal 5 Tage ohne Handyempfang zu sein (Dank an Lili und Sebastian für das tolle Hausmanagement) und jagen nicht mehr sklavisch den WIFI Punkten hinterher. Wir haben einige Videos auf Halde liegen, die einfach für einen Upload mit Modemgeschwindigkeit zu groß sind und es nervt nicht im geringsten. Irgendwann geht es schon.

Die Landschaften erleben wir anders als erwartet, die Menschen erleben wir völlig anders als erwartet (alles im positiven Sinn) und sind überglücklich, diesen Schritt gewagt zu haben. Klar gibt es ein paar Einschränkungen und wir sind immer vom Wetter abhängig, klar ist schon mal eine Nacht an einer lauten Tankstelle im Nirgendwo dabei. Das alles verschwindet hinter der großartigen Erfahrung schon nach 2 Monaten.

Südamerika, ein Kontinent den wir jedem nur empfehlen können selbst zu entdecken!