Lago Epecuen Argentinien- Die versunkene Stadt

23.10.2018 Heute Morgen sind wir vor 10 in die Stadt, Kasse noch unbesetzt. Wir haben aber beim Verlassen anstandshalber unseren Eintrittspreis entrichtet, mussten die Kassiererin jedoch erst wecken… Argentinien eben.

Wie waren über drei Stunden in der Stadt unterwegs und haben unzählige Fotos gemacht. Bei jedem Schritt ein neues Motiv .Leider war es für die Drohne viel zu windig und das auch noch mit heftigen Böen, so dass wir das Risiko trotz der verlockenden Motive lieber nicht eingegangen sind.

Die Stimmung in Epecuen war völlig anders als erwartet. Wir hatten gedacht, dass es sich wie eine Art Erlebnispark anfühlen würde mit Ruinen als Attraktionen. Völlig falsch. Wir hatten den Eindruck über einen Friedhof zu wandern, auch wenn bei dem Versinken der Stadt niemand körperlich zu Schaden gekommen war. An den Häuserresten sind Gedenktafeln angebracht mit dem Hinweis, was hier einmal stand. Bei wichtigeren Gebäuden wie Hotels, Supermarkt, Disko sind auch separat nochmals Tafeln aufgestellt, teils mit Bildern von vor 1985.

Vor einem Eingang zu stehen, bei dem noch die Hausfront, evtl. Gartenzaun und Wege im Garten oder sogar noch Fliesen, Bäder, Reste von Heißwasserbereitern vorhanden sind hat etwas Gespenstiges. Wenn auch irgendwie eine friedliche Stimmung mit vorhanden war, so hätten wir uns nicht gewundert, wenn wie in Resident Evil plötzlich ein mutierter Killerhund hinter eine Ecke hervor gesprungen wäre.

Eine extrem seltsame Mischung aus positiver und negativer Energie. Beim Bim Bam Bum, einer In-Location ersten Ranges damals sind noch der Bodenbelag und die Größe des Saales sichtbar, in dem damals das pralle Leben geherrscht hat. Der Vergleich der Bilder von damals mit dem jetzigen Zustand hat uns beiden die Sprache verschlagen. Genauso ging es uns bei einigen Hotels, von denen noch erkennbare Reste stehen mit den Bildern der glücklichen Besitzer von damals. Hier ist ein extrem pulsierender, mondäner und wenn man sich die alten Bilder und Videos ansieht sehr moderner Ort einfach ausgelöscht worden durch eine Fehlkalkulation der Wasserwirtschaft.

Die Häuser und Bäume wurden nicht durch Wasser alleine zerstört, sondern durch sehr salzhaltiges Wasser, das auch als Heilwasser und für Schlammbäder genutzt wurde zerfressen bzw. salziniert. Alles was Holz ist wurde komplett mit Salz durchtränkt und konserviert. Eisen wurde extrem angegriffen durch das Salzwasser. So einen Ort gibt es weltweit wohl keinen Zweiten.

Wie lange diese Gedenkstätte noch Bestand haben wird ist schlecht abzuschätzen, denn die noch stehenden Gebäudereste verfallen immer mehr. Auch wenn wir uns bei einigen Ruinen gewundert haben, was noch steht und wie dort die Statik funktionieren kann.

Am ehemaligen Strand werden schon wieder Bäume gepflanzt, ein Hotel gibt es auch schon wieder. Wie der Plan für die zukünftige Nutzung aussieht wissen wir nicht.

Noch steht ein Teil der ehemaligen Stadt unter Wasser, aber es geht zurück. Wir wundern uns, dass aus dieser Attraktion nicht mehr Kapital geschlagen wird, denn es könnte eine Goldgrube für die Region sein. Dazu müsste aber die Zufahrt vernünftig gemacht werden und es müsste auch ein Interesse für die Vermarktung bestehen. Wir hatten den Eindruck, dass diese Gedenkstätte eher peinlich ist für die Menschen, da durch eine Fehlkalkulation ein riesiges Kapital vernichtet wurde.

Das ist auch in dem Video im Museum (kostenlos!) zu sehen. Der Ort hätte enormes Einkommen in die Region gespült, nach der Überflutung herrschte mit einem Mal Armut und Arbeitslosigkeit. Trotzdem wäre eine gute Vermarktung eine Einkunftsquelle für den Ort, die so einfach ungenutzt verfällt.

Da Regen vorhergesagt ist verlassen wir Epecuen am Nachmittag, um nicht wieder Gefahr zu laufen auf dem Zufahrtsweg im Schlamm zu versinken. Als wir wieder Asphalt erreichen sind wir froh, aber auch irgendwie bedrückt von der versunkenen Stadt Epecuen.

Die Zufahrt zu der versunkenen Stadt erwies sich als etwas schwierig. Wir blieben prompt in einem Schlammloch stecken und mussten 3 Stunden lang graben, um wieder frei zu kommen. Den Rückweg haben wir in dem Video festgehalten. Viel Spaß dabei!