Bahia Creek Argentinien RP1

La Loberia nach Las Grutas – Die Wanderdüne des Grauens

 

26.10.2018 Nach einer Übernachtung in La Loberia wo tausende von Felsenpapageien in der Steilküste nisten brachen wir auf in Richtung Las Grutas, einem mondänen Badeort an der Küste. Doch die Reise erwies sich als alles Andere als langweilig…

Heute Morgen machten wir uns auf zu dem nur 3 km vom Stellplatz gelegenen Museum mit Seelöwen. Es gab kein Warnschild o.ä. das auf die Straßenzustände im weiteren Verlauf der Strecke hinwies. Der Zugang zum Museum war geschlossen, auch für Fußgänger.

Da die Strecke zwar Schotter, aber in gutem Zustand war beschlossen wir der RP1 zu folgen und die 100 km an der Küste entlang zu zuckeln. Entlang der RP1 gibt es wie überall zwar Zäune und Estanzias, aber praktisch keinerlei Verkehr. Gut, wer soll dort auch fahren, wenn alle 20 km einmal eine Einfahrt zu einer Weide von der Straße abzweigt. Auf den ersten Kilometern gab es doch noch ein paar Autos, denn dort liegt die Zona Pesca, also der Angelstrand. Danach wurde es absolut einsam.

Nach 100 km und einigen Stunden mit max. 20 km/h um Steinschlag weitgehend zu vermeiden kamen wir an ein Pueblo im Nirgendwo namens Bahia Creek. Dort stand nach 100 km Schotterpiste ein Schild, dass zwischen Bahia Creek und Punta Mejillon die Straße nur mit 4×4 zu befahren sei wegen schlechtem Straßenzustand! Wir waren schockt. Hätten sie das Schild nicht 100 km vorher aufstellen können?

Wir suchten die Straßenarbeiter, aber in ihrem Container waren sie nicht. Also ein paar Anwohner befragen. Alle meinen “passt schon, die arbeiten gerade an der Straße, sollte schon wieder gehen auch ohne 4×4”.

Wir beschlossen weiter zu fahren, denn die Anwohner sollten es ja wissen. Auf dem Weg weiter kamen wir an einen unglaublichen Strand, der bis zum Horizont reichte und nur 3 Fischer sowie jemanden mit Wohnwagen als Besucher hatte. Wir trafen auch auf die Straßenarbeiter mit ihrer Nivelliermaschine (großer Erdschieber) und fragten auch die beiden Herren aus. Alles gut bis zum nächsten Posten, da sei ein Kollege noch am arbeiten. Dort einfach warten bis er fertig ist. Kein Problem, auch ohne 4×4.

Wir wagten es also und blieben prompt nach ein paar Kilometern durch die Wüste im Sand stecken. Da war wohl doch nicht alles so gut präpariert worden! Wir gruben wieder einmal und schafften es auch im Verlaufe mehrerer Stunden ein paar Meter zurück. Dann kam in der einsetzenden Abenddämmerung ein Mann angelaufen der unser Licht gesehen hatte. Es war der Kollege, den die anderen beiden Herren schon über Funk informiert hatten, dass wir bei ihm durchkommen müssten. Er schlug vor das Auto mit anzuschieben, aber einen 4,5 Tonner im weichen Sand mit 2 Personen anzuschieben war nicht die Lösung. Er machte sich dementsprechend auf den Rückweg mit dem Versprechen dafür zu sorgen, dass uns jemand herauszöge.

Nach einiger Zeit (gefühlt Stunden, in Echt eine gute Stunde) feststeckend in der nächtlichen Wüste kam von hinten ein Licht. Die Crew mit der Nivelliermaschine! Sie zogen uns aus dem Loch, aber da dort ihre Zuständigkeit endete konnten sie uns nicht weiter bringen. Wir wurden angewiesen mit richtig Tempo durch die Nacht zu fahren um nicht wieder stecken zu bleiben und beim Kollegen die Nacht zu verbringen. Wir taten wie geheißen und erreichten den freundlichen Arbeiter bei seinem Bauwagen. Wir wollen nicht wissen wie die Strecke unter Tags ausgesehen hätte, vor lauter Aufregung haben wir auch keine Aufzeichnung mit der Dashcam gemacht.

Wir verbrachten die Nacht neben dem Raupenschieber und dem Bauwagen, verabreden für den nächsten Morgen früh um 7 Uhr die weitere Rettungsaktion. Peter ging die weitere Strecke kurz ab und konnte die Nacht vor lauter Sorge fast nicht schlafen. Trotzdem, wir haben zumindest dieses Etappenziel gut erreicht.

27.10.2018 Die Wanderdüne des Grauens
Um 7 Uhr morgens ging es weiter. Der freundliche Straßenarbeiter sprach eine Zeit lang mit Peter, gab ihm Tipps über Straßen und einen Platz 2 km weiter an dem Papageien nisten und Ende des 2. Weltkriegs ein Schiff mit Nazis gelandet war. Wir bekamen auch noch einen Behälter für Mate geschenkt! Ca. 7:30 ging die Reise dann los.

Er holte eine riesige Stahlkette, hängte sie mit einem schlichten Knoten (!) an den Raupenschieber und mit einem Haken an unseren Abschlepphaken. Zum Glück hatte unser Freund Stefan Rauscher <www.karosseriebau-rauscher.de> den Kuhfänger so gebaut, dass der originale Abschlepphaken noch in die originale Aufnahme passt.

Wir wurden im Leerlauf von dem Kettenfahrzeug durch tiefen Sand über die Restdüne gezogen und schwitzten Blut und Wasser dabei. Es ging alles gut. Wir waren durch die Wanderdüne auf die andere Seite gelangt. Angeblich wäre die Straße danach, also die RP1 und die RP52 im Anschluss in bestem Schuss, alles feinster Riffelschotter. Leider scheint es so, dass die Kenntnisse über den Straßenzustand in 60 km Entfernung nicht ganz so aktuell sind.

Eine Zeitlang ging alles bestens, wenn auch langsam. Irgendwann aber, ab dem Abzweig zur RP52 ging es wieder los. Erdpiste, Schlammlöcher, tiefe Rillen. Wir mussten teilweise mit 50 km/h über die Piste rasen um durch die tiefen und langen Schlammlöcher mit Schwung durch zu kommen. Einige Male schlingerte das Heck massiv, aber anders ist bei solchen “Straßenverhältnissen” kein Durchkommen möglich.

Unterwegs trafen wir dann auf eine Dame, die in der “Straße” wohnt und sie meinte alles sei gut, nur im weiteren Verlauf gebe es eine Stelle, da schlingere ihr 4×4 etwas… Gut gesagt. Auch unser Wohnmobil schlingerte, als wir die Stelle mit beträchtlicher Geschwindigkeit passierten. Zum Glück blieben wir nicht stecken und schafften es auf der Strecke zu bleiben. Dann kamen Wolken und es fing an zu tröpfeln. Regen, Schlammpiste und ein vorderradgetriebenes Wohnmobil mit 4,5 Tonnen sind keine attraktive Kombination! Dementsprechend erhöhten wir die Geschwindigkeit nochmals, um vor dem echten Regen von dieser elenden Piste genannt Ruta Provincial 52 auf eine geteerte Straße zu kommen.

Als wir die RN3 erreichten waren wir kurz davor aus dem Auto zu springen und den Asphalt zu küssen. Auf dem nächstgelegenen Rastplatz (geschotterter Platz an der Straße mit (!) Abfalleimer) machten wir erst einmal Rast und verschnauften. Schon fing es an zu regnen und wir wollten uns gar nicht vorstellen, was auf der RP52 für “Straßenverhältnisse” herrschten.

Nach einer gewissen Erholungsphase machten wir uns auf mit 2,5 Bar in den Vorderreifen (wir hatten keine Lust im Regen den Kompressor auszupacken) um mit 50 km/h zur nächsten Tankstelle in 80 km Entfernung zu fahren. Dort angekommen tankten wir, füllten unser Frischwasser auf und kümmerten uns kurz um Emails. In der nahe gelegenen Gomeria ließen wir die Reifen wieder aufpumpen.

Frisch betankt und mit vollem Reifendruck fuhren wir zum Einkaufen (Chinesen haben die besten Preise), kauften Verpflegung und fuhren dann nach Las Grutas. Las Grutas ist ein mondäner Badeort mit exorbitanten Preisen für Campingplätze wenn wir den Einträgen in IOverlander folgen.

Wir standen an der Strandpromenade, denn das stört hier niemanden und genossen die Ruhe und das sonnige Wetter. Am Folgetag machten wir eine wohlverdiente Pause, richteten unser lokales WLAN ein und brachten ein paar Dinge am Auto in Ordnung. Ganz zu schweigen von der Reinigungsaktion nach den schlammigen und sandigen Tagen zuvor.

Ein Video von der Aktion posten wir auf Youtube wenn wir wieder einmal ausreichendes WIFI haben.

Wir möchten uns auf diesem Weg auch bei den vielen netten Argentiniern wie z.B. den beiden netten älteren Herren an der Strandpromenade von Las Grutes bedanken, mit denen wir uns unterhalten durften. Ganz besonders bei Ana und Leo für das fantastische Essen, die Rezepte und die vielen Tipps. Wir haben die Unterhaltung mit Euch sehr genossen!