Industriemuseum Fray Bentos Uruguay

Industriemuseum und Casa Grande Fray Bentos Uruguay

15.10.2018 Heute haben wir in Fray Bentos das Industriemuseum besucht. Es handelt sich um ein Weltkulturerbe UNESCO, die erste industrielle Herstellung von Dosenfleisch überhaupt. Erbaut von Liebig, dem Namensgeber des Liebig-Kühlers. Diese Anlage wurde allerdings mit Ammoniak betrieben. Insgesamt zogen sich 70 km Leitungen durch die Kühlhäuser.

Ein Teil der Anlagen ist vermietet, ein Teil wird als Museum genutzt. Die Maschinenhalle mit den Motoren und Pumpen für den Ammoniak sowie die Schaltpulte sind sogar noch erhalten. Leider ist das Dach undicht, so dass die Anlagen unter dem Wetter leiden.

Eine Schande für die UNESCO, denn mit vergleichsweise geringen Mitteln könnte ein Bestandserhalt gesichert werden. Uruguay selbst hat wohl nur begrenzte Mittel zur Verfügung, so dass ein wenig Hilfe von außen dieses außergewöhnliche Industriedenkmal sichern könnte.

Das Museum, das in der Anlage betrieben wird ist absolut liebenswert gestaltet und zeigt sehr schön die Geschichte dieses Unternehmens auf. Beeindruckend für uns, dass es ausdrücklich heißt, das Museum sei nicht primär den Maschinen, sondern all den Menschen gewidmet, die im Laufe der Zeit hier gearbeitet haben.

Sehr angenehm ist auch, dass intensiv auf die soziale Ader des Unternehmers eingegangen wird, der für Häuser, Hospital, Fußballclub, Musikkapelle etc. gesorgt hat. In dem Museum lief auch ein Video, in dem die Geschichte nochmals erklärt wurde und in dem ehemalige MitarbeiterInnen zu Wort kommen.

Wir wurden sehr nett aufgenommen und bekamen in der Gruppe sogar eine Führung durch die Anlage, obwohl Führungen erst am Nachmittag angesetzt waren. Wir haben richtig gespürt, wie stolz die Menschen auf die Geschichte an diesem Ort sind und wie gerne sie auch uns als Touristen dieses prächtige Denkmal präsentieren.

Im Anschluss an die Produktionsanlagen durften wir noch das „Casa Grande“, auch ein Weltkulturerbe, die Residenz des Unternehmers, besichtigen. Auch hier wieder sehr lebendige Geschichte, liebevoll präsentiert, absolut sehenswert.

Es sind noch Einrichtungsgegenstände erhalten, der Flügel des Hauses, die Küche im Keller, das Spielzimmer mit Billardtisch und das Esszimmer. Im Garten ist noch die einstige Pracht des Anwesens zu spüren, es gab sogar einen Pool und einen Wandelgang durch den Garten. Für die damalige Zeit war es ein prächtiges Anwesen mit Kaminen, die aus Deutschland angeliefert wurden. Größtenteils existiert auch der originale Holzfußboden noch.

In dem Anwesen könnte die UNESCO ebenfalls Mittel zur Verfügung stellen, denn der Zahn der Zeit nagt an dem Anwesen. So ein Museum besuchen zu dürfen ist fantastisch.

Die Dame, die uns herumführte erklärte alles sehr gut, geduldig und beantwortete auch Fragen. Es gab keinerlei Zeitdruck, was für uns völlig ungewöhnlich und sehr angenehm war. Insgesamt waren wir über drei Stunden unterwegs, was wir aufgrund der Kurzweiligkeit aber erst im Auto beim Blick auf die Uhr bemerkten.

Ein ganz großes Kompliment an Uruguay, Fray Bentos und die Dame die uns betreute. Besser geht nicht. Wir können jedem, der in dem Landesteil unterwegs ist nur empfehlen, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Der Eintritt ist sehr preiswert und es lohnt sich auf alle Fälle.