Estancias Jesuiticas in Südamerika

09.01.2019 Die Liste der Sehenswürdigkeiten in Südamerika ist lang, sehr lang. Ein Teil der Sehenswürdigkeiten sind die ehemaligen Estancias der Jesuiten, die über ein Jahrhundert in Südamerika tätig waren, bis sie vertrieben wurden (offiziell nach Europa zurückbeordert). Diese Geschichte wollen wir aber hier nicht erzählen. Wer sich damit befassen möchte findet z.B. in Wikipedia ausführliche Artikel dazu.

Was die Jesuiten in der Zeit bis 1767 in Südamerika zustande gebracht haben sieht man heute noch teilweise in den ehemaligen Jesuiten Estancias, die noch erhalten sind. Die Estancias dienten vor allem dem Unterhalt der Reduktionen, Einrichtungen in denen Ureinwohner zum christlichen Glauben bekehrt und als Handwerker („zivilisierte Menschen“) ausgebildet wurden.

Für uns als Touristen in Südamerika haben diese Orte einen ganz besonderen Reiz, wird doch vielfach die Geschichte der Ureinwohner mit dargestellt, die Geschichte der Reduktionen und Estancias. Da die Jesuiten 1767 gezwungen waren den Kontinent zu verlassen fielen alle Besitztümer der spanischen Krone zu und wurden nach und nach versteigert. So befinden sich manche wie Estancita heute in privater Hand (diese eine Estancia kann offiziell nicht besichtigt werden und wird auch auf Karten nicht mehr gezeigt, Größe lt. Sohn der Familie 80.000 ha, also 800 Quadratkilometer), andere entwickelten sich zu blühenden Städten wie z.B. Alta Gracia, wo im Stadtkern noch die Kirche und die Reduktion erhalten sind.

Auch wenn wir nicht alle Estancias gesehen haben, so können wir doch ein gewisses Fazit ziehen. Sehr sehenswerte Orte mit viel Geschichte, meist als nationales Kulturdenkmal geschützt, oft auch als UNESCO Weltkulturerbe. Je nachdem, wie sehr die privaten Besitzer seit dem 18. Jahrhundert mit den Gebäuden verfahren sind, ist der Erhaltungszustand im Vergleich zum Original mal mehr, mal weniger gegeben. Manche wurden massiv umgebaut und das Flair ist dahin, selbst wenn die Gebäude heute in neuem Glanz erstrahlen. Bei anderen (Caroya!) ist eine so unglaubliche Stimmung im Gebäude und in den Gärten, dass wir teilweise meinten, die Bewohner von damals herumlaufen zu sehen.

Die Estancias bzw. Reduktionen sind zu finden in Argentinien, Paraguay, Brasilien und anderen südamerikanischen Staaten wie Peru. Alle zu besuchen macht für uns keinen Sinn, aber die, die auf dem Weg liegen und auch etwas abseits davon haben wir uns angesehen bzw. werden wir uns ansehen.

Wohlgemerkt, uns geht es um Geschichte und Erleben, mit Kirche als solches haben wir nichts zu tun. Wir respektieren aber den für damals sehr fortschrittlichen Ansatz, die „Wilden“ nicht einfach nur zu versklaven, sondern auszubilden und ihnen Zuflucht vor Verfolgung zu geben. Auch wenn dahinter natürlich die Bekehrung zum Christentum stand.

Wir können jedem Südamerikareisenden nur anraten, einige dieser Orte zu besuchen und sich selbst ein Bild von dem Leben, den schwierigen Lebensumständen damals und der großen Leistung der Erbauer zu machen. Wir raten aber ab von sündteuren Rundfahrten (wir haben Preise bis 10.000 Euros für 14 Tage gesehen). Mietet Euch ein Auto und fahrt die Orte, die Euch am attraktivsten erscheinen selbst an. Ein 4×4 scheint eine gute Idee, wenn auch nicht unbedingt notwendig. Wir haben ein paar Orte ausgelassen, da teilweise 50 km oder mehr einfach auf Schotter oder Erdstraßen zu bewältigen wären und wir das unserem Auto nicht antun wollten.