Ecuador – Ausnahmezustand und Generalstreik

04.10.2019 Wir sitzen fest in Ecuador! Seit gestern, dem 03.10.2019 befindet sich Ecuador im Generalstreik und Ausnahmezustand. Es gibt abends eine Ausgangssperre ab 20 Uhr. Unsere Weiterreise verzögert sich dementsprechend auf unbestimmte Zeit.

Hintergrund der Aktion:

Ecuador hat vom IWF einen Kredit erhalten und musste im Gegenzug einige Maßnahmen ergreifen. Die massiven Subventionen die es seit 1974 für Treibstoffe gab wurden über Nacht abgeschafft. Das verteuert z.B. Diesel von vorher landesweit USD 1.037 pro Gallone auf USD 2.30 pro Gallone. Dann wurde die Mehrwertsteuer von 12 auf 15 Prozent erhöht. Öffentlichen Bediensteten wurde der Jahresurlaub von 30 auf 15 Tage zusammengestrichen und noch einiges mehr.

Durch die massive Verteuerung der Treibstoffe kommt der gesamte Transport im Land nicht mehr mit den Preisen klar. Taxifahrer meinen sie verdienen nichts mehr, der Busverkehr (hier gibt es praktisch keine Eisenbahn) muss nun ganz anders kalkulieren und auch die Preise im Einzelhandel werden massiv steigen. Ecuador ist sowieso kein billiges Land und das bei einem Mindestlohn von USD 350 im Monat.

Dementsprechend gibt es einen Generalstreik mit Protesten. Sämtliche Überlandstraßen wurden blockiert mit brennenden Reifen, Steinen, Bäumen und teilweise wurden Krähenfüße. Schrauben, alles was Reifen beschädigen kann gestreut. Gestern Abend eskalierte die Lage.

In Quito wurden massenhaft Touristen beraubt, da die Polizei woanders eingesetzt war. In Guayaquil gab es Plünderungen und landesweit über 200 Festnahmen. Auf die Blockade des Verkehrs bzw. öffentlicher Einrichtungen stehen hier 1 bis 3 Jahre Gefängnis! Hier in Ibarra wurde das Regierungsgebäude gestürmt und verwüstet. Markt und Großmarkt sind bis auf weiteres geschlossen, die Läden verbarrikadiert. Es gibt keine Lebensmittellieferungen oder Treibstofflieferungen mehr. Wir haben das Glück, dass hier genügend Weißwürste, Leberkäse und andere Lebensmittel vorhanden sind. Die Reisenden auf dem Platz sitzen alle fest, ein interessantes Grüppchen.

Dann kam gestern Abend noch die Meldung, dass Räuberbanden unterwegs seien, die sich die Abwesenheit der Polizei zunutze machten und obendrauf eventuell in der Nacht der Strom abgestellt wird. Das passierte zumindest hier in Ibarra zum Glück nicht.

Heute Morgen waren wir an der Panamericana, nachsehen wie die Lage sich darstellt. Nach Norden ca. 10 km frei, nach Süden schon weit vor der Stadt Blockade und Krähenfüße. Soweit wir gehört haben hat sich das Militär aus Cuenca zurück gezogen, will nicht gegen die Bevölkerung vorgehen.

Wir müssen nun einfach abwarten bis sich die Lage wieder beruhigt, haben zum Glück noch ein paar Wochen Visum und T.I.P. übrig. Wir halten Euch auf dem Laufenden!