Die Ruinen von Quilmes

13.02.2019 Qilmes, die legendäre Ruinenstadt des Quilmes-Volkes. Wir haben uns lange auf diesen Ort gefreut und wir werden nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil!

Auch wenn die Ruinen für Europäische Verhältnisse relativ jung sind (Quilmes wurde im Jahr 1667 zwangsweise aufgegeben) hat der Ort etwas Magisches. Das Museum ist sehr schön gemacht und sehr informativ. Es gibt auch einen 15 minütigen Film mit Englischen Untertiteln über das Volk der Quilmes und sein Schicksal. Die Quilmes lebten über 800 Jahre an diesem Ort bis die Spanier sie versklavten und ins Exil schickten. Nach über 100 Jahren tapferem Widerstand gegen die Invasoren kamen die Spanier auf die Idee, wenn dieses Volk denn schon nicht im Kampf besiegbar ist, es einfach durch Zerstörung der Lebensgrundlage zum Aufgeben zu zwingen. Nachdem die Quilmes sich ergeben hatten wurden die noch übrig gebliebenen 2800 Menschen ein Jahr lang quer durch Argentinien getrieben, schließlich kamen noch 800 lebend in der Nähe von Buenos Aires an. Dort wurde die Stadt Quilmes gegründet, die es heute noch gibt. Es gibt im Museum auch ein Modell des Hügels mit einer Videoprojektion, die den Stadtaufbau und die verschiedenen Bereiche sehr schön und dynamisch darstellt. Sehr sehenswert.

Die Quilmes waren ein stolzes Volk und mit fast 2 Metern hochgewachsen. Ähnlich wie andere Urvölker in Patagonien, von denen auch erzählt wird, sie wären bis zu 2 Meter groß gewesen. Die Spanier dagegen waren eher klein gebaut. In dem Film, der im Museum gezeigt wird spielten ausschließlich Einheimische mit. Je nach Abstammung konnten sie Quilmes spielen oder nur kleingewachsene Spanier. Der Film ist reichlich blutrünstig und zeigt die Invasoren als das, was sie waren. Es gibt einige Szenen, die für Deutsche Verhältnisse eher FSK 18 wären, sie passen aber absolut zum Gesamtwerk.

Die Ruinen sind beeindruckend. Sehr beeindruckend. Teilweise wurden Mauern wieder aufgebaut, andere Gebäude wurden teilweise wieder hergestellt und wieder andere sind im Urzustand. Überall wachsen riesige Kakteen. Es gibt noch Opfersteine, Mühlsteine und einige Details der Bauten wie Maueraufbau, Stützen aus Kakteen usw. zu sehen. Auch die beiden Verteidigungsposten sind zugänglich.

Die ganze Stadt war an einen Hügel gebaut, von dem aus das gesamte Tal überblickt werden konnte. So konnten die Quilmes sich gut verteidigen und wussten beizeiten, wenn Gefahr drohte.

Wir verbrachten ein paar Stunden in dem Komplex, der eine sehr friedliche Atmosphäre hat, trotz der grausamen Geschichte. Sehr gut auch, dass eine kostenlose Fremdenführerin in Englisch den Komplex noch einmal erklärte und für Fragen zur Verfügung stand. Es gibt natürlich ein paar Stände mit Kunsthandwerk und Getränken bzw. ultralecker riechenden Speisen. Leider waren wir etwas zu früh dran, der Grill wurde gerade erst angeschürt.

Nachdem wir uns wieder auf den Weg gemacht hatten kamen wir stundenlang nicht aus dem Grübeln über die Quilmes heraus. Leider ein Schicksal wie bei allen Völkern in Südamerika, Invasoren auf der Suche nach Gold und anderen Schätzen metzelten alle nieder oder versklavten sie. Lustige historische Geschichten sind hier sehr wenige zu finden.

Wir können jedem, der in der Gegend unterwegs ist nur raten, sich diesen Ort anzusehen. Er ist faszinierend und packend und es gibt keine aufdringlichen Verkäufer wie man es von manch anderen Orten gewohnt ist. Ein touristischer Ort, aber absolut unaufdringlich. Ein ganz großes Lob dafür an Argentinien und die Nachfahren der Quilmes!