Die Crazy Tour mit Hans

07.09.2019 Wir sind ja zurzeit auf der Finca Sommerwind in Ibarra / Ecuador zu Gast und warten wieder einmal auf Teile aus Deutschland. Hier ist allerdings sehr angenehm warten, denn der Platz ist super und Hans sehr hilfsbereit. Wir haben außerdem sehr angenehme Gesellschaft von Deutschen, Neuseeländern und Dänen.

Ab und zu organisiert Hans seine sog. “Crazy Tour” und wir hatten Glück, dass wir dabei sein durften. Die Tour ging drei Tage an die Küste und in den Dschungel. Die Gegend um Esmeraldas wird von sehr wenigen Touristen besucht, da das Außenministerium vor Banditen und Entführungen warnt. Wir empfanden allerdings die Gegend als relativ entspannt und wurden zu keiner Zeit belästigt.

Die “Crazy Tour” ging von der Finca Sommerwind  durch den Nebelwald bis an die Küste über Lita, Alto Tambo, Borbón nach Las Penas. Auf dem Weg besuchten wir einen Familienbetrieb, der Kakao anbaut und verarbeitet. Sehr interessant, auch der Besuch auf der Kakao Plantage.

Übernachtet haben wir in sehr netten Cabanas an der Küste, sogar mit Pool! Das Essen war hervorragend, in einem Strandrestaurant gab es Meeresfrüchteplatte mit allem was das Herz begehrt.

Am zweiten Tag ging es mit dem Motorkanu ins Naturschutzgebiet Valdez in die Mangrovenwälder. Hier wachsen die größten Mangroven der Welt, sie werden bis zu 20 m hoch. Dann besuchten wir noch eine Kokosplantage auf der es frische Kokosnüsse vom Baum zu genießen gab. Anschließend besuchten wir eine Köhlerei und eine Cocada Produktion (Zuckersirup, Honig aus Zuckerrohr, Süßigkeiten aus Zuckersirup mit Erdnüssen und Kokos). Am Abend hatten wir wieder hervorragendes Seafood im Strandrestaurant.

Am dritten Tag ging es zur Playa Africa, ein Örtchen in dem noch 20 Menschen leben, überwiegend vom traditionellen Fischfang. Wir konnten miterleben wie die Netze noch mit vielen Menschen von Hand an Land gebracht wurden und wir besuchten ein sehr nett gemachtes privates Museum mit Fundstücken der Ureinwohner.

Nach der Playa Africa ging es zurück nach Alto Tambo wo wir die wohl ungewöhnlichste Zugfahrt der Welt machen konnten. Hier gibt es eine über 100 Jahre alte Schienenstrecke, die schon vor langer Zeit außer Dienst gestellt wurde. Es ist ein Teilstück der ehemaligen Eisenbahnstrecke Ibarra nach San Lorenzo. Im Moment sind noch 24 km in den Dschungel hinein befahrbar. Die Einheimischen haben die alten Schienen mit selbstgebauten Motorfahrzeugen, den sog. Troque wieder nutzbar gemacht. Die Schienen sind in einem erbärmlichen Zustand, aber für große Renovierungen fehlen einfach die Mittel. Der Zustand der Schienen ist mittlerweile so schlecht, dass unser Gefährt drei Mal entgleist ist und jedes Mal wieder von Hand auf die Schienen gewuchtet werden musste. Eine Strecke, die so wohl nicht mehr lange befahrbar ist, selbst mit den ungewöhnlichen Gefährten die genutzt werden. An sich ist diese Strecke auch in keinster Weise touristisch, denn sie wird normal nur für die im Dschungel lebenden Familien und die illegalen Goldgräber genutzt. Wir hatten durch Hans diese außergewöhnliche Möglichkeit. Mitten im Dschungel gab es dann unterhalb eines Wasserfalls ein Mittagessen vom Grill, sehr schmackhaft.

Als es dann an die Rückfahrt ging staunten wir nicht schlecht. Das Gefährt musste gewendet werden. Dazu wurde es mit einem Wagenheber am mittleren Schwerpunkt angehoben und von mehreren Männern auf dem Wagenheber schwebend einfach gedreht. Als dann auch noch Gegenverkehr kam mussten wir erst warten bis das entgegen kommende Gefährt von den Schienen gehoben und neben der Strecke abgestellt wurde. Dann ging es zurück zur Station, 14 km durch den Dschungel (wir sind nur bis zu einer Brücke gefahren, die auch keiner von uns überqueren hätte wollen), durch einen unbeleuchteten Tunnel und durch viel in die Strecke hängendes Geäst. Der Dschungel wächst die Strecke in kürzester Zeit zu, es bleibt nur ein Stückchen übrig in dem diese Gefährte hin und her fahren.

Nachdem wir dieses Abenteuer auch geschafft hatten ging es wieder zurück nach Ibarra auf die Finca Sommerwind.

Diese Tour war so außergewöhnlich wie wir es niemals erwartet hätten. Voll gepackt mit einer Attraktion nach der Anderen, spannend, lehrreich und Abenteuer pur. Falls Ihr einmal die Gelegenheit haben solltet bei einem Besuch auf der Finca Sommerwind, dann fragt Hans nach der Tour. Er kann sie nur anbieten, wenn er genügend Teilnehmer hat die auch abenteuerlustig genug sind und das Risiko nicht scheuen. Bei Reiseveranstaltern werdet ihr schon aus Haftungsgründen so etwas niemals finden.