Carthago im Tunnel in Kolumbien

Cartagena / Kolumbien

12.06.2019 Wir haben den südlichen Teil der Panamericana erfolgreich gemeistert! Wir sind in Cartagena angekommen und sehr froh, es geschafft zu haben. Mitten in Cartagena gibt es einen schönen Stellplatz am Strand hinter dem Hilton Hotel auf dem wir auch andere Reisende (einer sogar aus Deutschland, Grüße an Guido!) und Hugo, ein Kolumbianischer Musiker, kümmert sich rührend um uns.

Wir besichtigen die Altstadt und sind begeistert. Ein wundervolles Städtchen (insgesamt ist Cartagena mittlerweile ein echter Moloch mit heftig Verkehr) und einfach zauberhaften Gässchen innerhalb der Stadtmauer. Man kann die Altstadt sehr gut zu Fuß erkunden und auch mal in einem Park Halt machen, sich ein wenig mit Einheimischen unterhalten. Sehr entspannt.

Das Wetter allerdings macht uns zu schaffen. Peter merkt erstmals seit Oktober vergangenen Jahres wieder Atembeschwerden und wir kommen beide aus dem Schwitzen nicht mehr heraus. Karibik kennen wir anders. Hier hat es 35 Grad und 70% Luftfeuchte, nur ruhig am Strand sitzen geht ohne Schweißausbruch, denn da weht immer ein wenig Wind. In der Altstadt steht die Luft, aber in bestimmten Gässchen weht eine Brise. Klug gebaut damals!

Auf alle Fälle ist die Stadt sehenswert und wir sind froh, den weiten Weg auf uns genommen zu haben trotz des für uns unangenehmen Wetters. Südamerika ohne Cartagena wäre niemals vollständig!

Landschaftlich ist Kolumbien insgesamt ein echter Hit. Es gibt in den Bergen Teile, da sieht es aus wie im Allgäu, sogar mit Fleckvieh auf der Weide! Dann wieder Urwald mit unglaublichen Alleen aus Bümen und Sträuchern, Mangobäumen, die die gesamte Straßenbreite überspannen, Bananenstauden als Straßenbegleitgrün oder Unkraut am Wegesrand, Guanabanas, einfach einer vielfalt an Früchten, für uns wie im Paradies. Diese Früchte werden dann auch frisch geerntet an der Straße verkauft zu Preisen, die für uns als sehr bezahlbar gelten. Für Früchteliebhaber: 1 große Guabana, 5 süße kleinere Mangos, 3 große Mangos zusammen EUR 1,20. Oder 5 kleine süße Mangos für 25 Cent.

In den Ebenen finden sich Sumpflandschaften mit Wasserbüffeln oder Weiden mit Zeburindern. Dann wieder Urwald den kein Auge durchdringt und der die Straße überspannt. Hier wird es nachmittags um 16 Uhr schon so dunkel, dass man die Scheinwerferkegel auf der Straße erkennt.

Die Straßen sind teuer, aber in gutem Zustand. Kolumbien zu bereisen ist auch auf den Hauptrouten nicht nur mit viel Maut, sondern auch mit Geduld verbunden. In den Bergen geht es teilweise sehr steil auf und ab und es heißt nicht umsonst, der Kolumbianer hätte die Kurve erfunden. In Sachen Streckenprofil sei erwähnt, dass eine längere Tagesreise schon mal Aufstiege von 4500 m und Abstiege von 4000 m auf 200 km enthalten kann und das ist nicht das steilste Stück.

Auf die Reise weiter gen Osten verzichten wir aus Sicherheitsgründen. Seit letzter Woche hat Venezuela die Grenzen wieder geöffnet und die Flüchtlinge strömen in Scharen ins Land. Das bringt natürlich auch Kriminalität mit sich und wir hören von Überfällen mit Messern, Macheten und teils Schusswaffen. Eine Französische Familie wurde von Paramilitärs ausgeraubt im Osten, auch so eine Sache im Moment wie es scheint.

Wir hören, dass sogar eine organisierte Panamericanareise angeblich nicht mehr von Cartagena aus über das Darien Gap verschiffen soll, sondern von einem Hafen weiter südlich.

Nach ein paar Tagen in Cartagena fahren wir also aus Sicherheitsgründen wieder nach Süden. Es gibt hier zwei größere Straßen in Nord / Süd Richtung. Die östliche Route, die uns auch nach Bogota gebracht hätte wird im Moment durch die Nähe zur Grenze eher nicht empfohlen. So verpassen wir auch Bogota, aber wegen der paar Sehenswürdigkeiten quälen wir uns nicht mehrfach über die östlichen Anden. Die Grenze südlich von Bogota ist im Moment auch geschlossen, bleibt eh nur der Grenzübergang, über den wir eingereist sind. Somit fahren wir die gleiche Strecke wieder nach Süden zur Grenze nach Ecuador.

Insgesamt hat sich Kolumbien gelohnt. Wenn das Land auch manchen Aufholbedarf haben mag und gerade in Sachen Sicherheit zurzeit wieder ein wenig problematischer wird. Die Leute sind durchgehend sehr freundlich, vom Scheibenputzer über Passanten bis zu Militär und Polizei freut sich jeder, dass Deutsche das Land bereisen. Ein sehr herzliches Willkommen, Kompliment dafür an alle Kolumbianer und Kolumbianerinnen!

Einschränkend ist eben die Sicherheitslage. Das entspricht nicht unserer Reiseart mit grundsätzlichem Freistehen. Nun gut, dafür haben wir einiges von Kolumbien mit dem eigenen Wohnmobil erkunden dürfen und es war die Reise wert. Eine Erfahrung, die wir immer in Erinnerung behalten werden.

Sehr schön übrigens an den Land ist, dass es hier wirklich sauber und aufgeräumt wirkt. Gerade mit der Nordperuanischen Müllorgie noch im Kopf sehr angenehm. Auch dafür Daumen nach oben für Kolumbien.

Update 19.06.2019 Wir sind wieder auf dem Weg nach Süden und müssen der angeblich so korrupten Polizei bzw. dem Militär ein großes Lob aussprechen. Bisher nur nette Begegnungen, freundlich winkende Beamte oder sie salutieren gleich. Keinerlei Probleme, nur nette und hilfsbereite Menschen. Mag sein es liegt an unserer Nationalität, mag sein es liegt an unserem stets freundlichen Auftreten. So oder so, alle sind herzlich bemüht uns Tipps zu geben, den Weg zu erklären wenn wieder mal ein Bergrutsch die Straße blockiert oder sonstige Informationen zu geben.

Update Ende Juni 2019: Trotz des Lobes für die Landschaft und die Leute müssen wir unser positives Bild von Kolumbien ein wenig einschränken. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels waren wir noch unterwegs und die FIAT Technik hatte uns noch nicht wieder eingeholt. Mitten in den Bergen nördlich von Pasto blieben wir liegen. Die Spannrolle des Zahnriemens hatte zum zweiten Mal den Dienst quittiert und ein paar andere Teile mit in den frühzeitigen Tod gerissen. Ein Abschlepper wurde relativ schnell gefunden, aber Teile für unser Auto sind in Südamerika (in Chile wird der Ducato mit genau diesem Motor verkauft) nicht aufzutreiben. In Kolumbien schon gleich zweimal nicht. Wir mussten also die Teile wieder mal aus Deutschland ordern. Wir hören auch, dass z.B. Renault und Citroen hier zwar verkauft werden, Teile aber nicht oder nicht rasch und wenn dann extrem teuer verfügbar sind. Ein klares Minus auf unserer Bewertungsliste für das Land.